Downshifting, weil es mich erfüllt!

Ausgangssituation: Julian (53) kam zu mir, weil er aus seinem Job gemobbt und völlig unberechtigt gefeuert wurde. Wir hatten uns ein halbes Jahr vorher kennengelernt, da er in seiner Position nicht mehr glücklich war und schon zu diesem Zeitpunkt spürte, dass es mit dem Job nicht mehr lange gut geht. Er war Direktor und trug die Verantwortung für mehr als 150 Mitarbeiter/innen und ein Millionen-Budget. Sein Job war geprägt von Meetings, Projekt- und Sonderaufgaben, Reporting und einem sich ständigen Auseinandersetzen mit Audits. Tägliche Überstunden und vermehrt Wochenendarbeit ließen ihn kaum noch zur Ruhe kommen. Es bestand eine hohe emotionale Bindung zu dem Unternehmen, hatte er sich doch vom Sachbearbeiter bis zum Direktor hochgearbeitet. In letzter Zeit häuften sich Angriffe und haltlose Vorwürfe seines Chefs. Er sollte sich für Fehler und schlechte Ergebnisse rechtfertigen, die gar nicht in seinem Verantwortungsbereich lagen. Der Umgangston wurde schärfer und er wurde konsequent vom Informationsfluss abgeschnitten. Eines Tages bekam er die Kündigung und ein damit einhergehendes Hausverbot. Nicht nur die Art und Weise, wie er entlassen wurde, sondern auch die Begleitumstände waren entwürdigend. Pflichtbewusst und selbstkritisch, wie er war, sucht er tatsächlich die Fehler bei sich. Da er aber keine Fehler fand, trieb ihn die Selbstanalyse fast in den Burn-out.

Handlung: Nachdem wir das Verhalten der Vorgesetzten und den Weg wie es zur Kündigung kam, erklären und begreiflich machen konnten, dass er das Opfer eines miesen Chefs und eines inkompetenten Managements war, hatten wir eine neutrale Arbeitsgrundlage geschaffen. Eine gewisse Unsicherheit blieb trotzdem und machte die berufliche Neuorientierung etwas schwieriger und forderte Disziplin und viel Kreativität von beiden ab. Wir haben uns die notwendige Zeit genommen, die Fragen in aller Ruhe durchzugehen, dabei konnten wir immer wieder auf das Selbstbewusstsein von Julian einzahlen. Es stellte sich mit der Zeit heraus, dass er gerne einen Schritt auf der Karriereleiter zurückgehen möchte. Diese Entscheidung erforderte viel Mut. Wir überprüften die Ergebnisse und seine Aussagen, doch er blieb dabei, eine Stufe zurückzugehen.

Er wollte eine bessere Work/Life-Balance und endlich wieder glücklich im Job sein. Wir fanden eine neue Zielposition als Abteilungsleiter für ihn, in die er sein Wissen und seine Erfahrungen einbringen konnte, ohne sich völlig zu verausgaben und ohne diesen permanenten Ergebnisdruck. Ein Downshifting in der freien Wirtschaft durchzuführen, klingt leichter als es ist. Es mussten die Bewerbungsunterlagen angepasst werden und es musste eine schlüssige Argumentation gefunden werden, damit der Schritt zurück gelingt.

Erfolg: Nach gut drei Monaten kamen die ersten ernstzunehmenden Vorstellungsgespräche und nach insgesamt fünf Monaten kam es zu einer Zusage.

Aufwand: 6 Monate

Leistungen: Outplacement sechs Monate, in Verbindung mit „Beruflicher Neuorientierung“ und Coaching zur Verarbeitung der Kündigung und Wiederherstellung des Selbstbewusstseins.